zahlreiche Büschel rosafarbener Zierkirschblüten, (c) Andrea Kamphuis

Ist diese Blütenpracht nicht umwerfend? Kein Wunder, dass mittlerweile nicht nur in Japan, sondern auch in etlichen deutschen Städten Kirschblütenfeste gefeiert werden. Deren Planung ist allerdings nicht leicht, denn wann die Hauptblütezeit losgeht und wie lang sie andauert, hängt unter anderem vom Wetter ab.

Und nicht alle Kirschbäume blühen gleichzeitig. Während man sich etwa in Bonn gerade noch für das diesjährige Kirschblütenfest wappnet, ist die Japanische Blütenkirsche (Prunus serrulata) vor dem Gericht am Reichensperger Platz in Köln, direkt bei mir um die Ecke, schon so gut wie fertig. Letzte intensiv rosarote Blüten konkurrieren bereits mit dem ebenfalls rötlichen frischen Laub, in dem erst nach und nach Chlorophyll gebildet wird:

rotbraune junge Kirschbaumblätter und pinke Blüten, dahinter blauer Himmel; (c) Andrea Kamphuis

Wie man an den unterschiedlichen, etwa gefüllten oder aber einfachen Blüten sieht, gibt es innerhalb der Art Prunus serrulata verschiedene Zuchtformen. Hinzu kommen die genaue Lage (im Schatten oder in praller Sonne, windgeschützt oder exponiert, umgeben von wärmespeicherndem Asphalt oder in der Nähe eines kühlenden Gewässers ...), das Alter, die Unterlage und der Erziehungsschnitt, um nur einige Faktoren zu nennen, die den Beginn der Blüte beeinflussen können. Bereits Ende März standen die beiden markant geformten Japanischen Blütenkirschen im Kölner Rheinpark in voller Pracht da - schneeweiß:

Dichte Büschel weißer Zierkirschblüten vor blauem Himmel, (c) Andrea Kamphuis

Es war sonnig, aber kalt an diesem Tag. Einige Hummeln waren aber unterwegs und haben sich sicher über die Nahrung gefreut:

Eine Hummel fliegt weiße Zierkirschblüten an. Der Himmel dahinter ist blau. (c) Andrea Kamphuis

Die beiden Exemplare im Rheinpark haben praktisch keinen Stamm, sondern wurden so erzogen, dass sie sich bereits knapp oberhalb der Wurzeln in mehrere weit ausladende Hauptäste aufteilen. So kommt man dicht an die Blüten heran, wenn man unter der Krone steht, und kann auch ihren herrlichen Duft genießen:

Ein breit ausladender Zierkirschbaum in einem Park. Sein Stamm teilt sich schon knapp über dem Boden in mehrere dicke Äste auf. Er blüht üppig weiß. (c) Andrea Kamphuis

Schneeweiß, wie ich eben schrieb, sind aber nur die voll entfalteten Blüten. Die Knospen sind außen und an den Spitzen der Kronblätter rosa:

Einige weiße Blütenbüschel aus der Nähe. Die Knospen sind außen rosa überhaucht. (c) Andrea Kamphuis

Ein Büschel Zierkirschen-Blütenknospen aus der Nähe, vor blauem Himmel. Die Knospen sind intensiv rosa. (c) Andrea Kamphuis

Dasselben Phänomen kennen wir auch von Apfelblütenknospen ...

Rosa überhauchte, ansonsten weiße Blütenknospen an einem Apfelbaum. (c) Andrea Kamphuis

... und von vielen weiteren weißen Blüten - hier etwa beim Buschwindröschen: innen weiß, außen rosa überhaucht.

Eine Buschwindröschen-Blüte von der Seite betrachtet. Die Blütenblätter haben außen in der Mitte einen rosa Streifen. (c) Andrea Kamphuis

Und wer aufmerksam über den Rasen läuft, wird dasselbe auch bei den allgegenwärtigen Gänseblümchen feststellen. Bei den Knospen und den jungen Blütenkörbchen, die sich gerade erst öffnen, sind die Spitzen der weißen Zungenblüten oftmals pink:

Gänseblümchen-Knospen aus der Nähe betrachtet. Die Spitzen der Knospen sind außen rosa. (c) Andrea Kamphuis

Bei den voll geöffneten Blütenkörbchen hingegen keine Spur von Rosa:

Zwei vollständig geöffnete Gänseblümchen-Blüten von oben.Sie sind in der Mitte gelb und außen rein weiß. (c) Andrea Kamphuis

Auch bei bestimmten Magnolien-Zuchtformen beschränkt sich die mal intensive, mal zarte Färbung auf die Außenseiten der Blüten:

Große Magnolienblüten im Sonnenlicht. Sie sind innen weiß, außen teils weiß bis hellrosa, teils kräftiger rosa gefärbt. (c) Andrea Kamphuis

Die hier gezeigten Farbtöne kommen durch Anthocyane zustande, wasserlösliche sekundäre Pflanzenstoffe aus der Klasse der Flavonoide. Je nach ihrer Strukturformel und dem pH-Wert der Pflanzenzellen sind sie mal blau, mal violett oder eben rosa. Sie kommen fast nur in der Epidermis von Blättern und Blüten vor, also der äußersten Zellschicht, der Haut. Das hat etwas mit ihrer Funktion zu tun. Ähnlich, wie ich es hier vor vier Jahren in Sachen Laubblätter erläutert habe, schützen sie auch in Blüten das unterhalb der Epidermis liegende Gewebe vor ultravioletter Strahlung, also vor Sonnenbrand. Bei den Laubblättern ist das im Frühjahr vor allem nötig, wenn sich die jungen Blätter noch nicht gegenseitig beschatten können, wenn sie noch keine dicke Wachsschicht ausgebildet haben und wenn das Chlorophyll erst nach und nach aufgebaut wird.

Und bei den Blüten, die ich hier gezeigt habe? Deren Gewebe muss zwar keine Photosynthese betreiben, aber Schutz vor UV-Licht brauchen sie dennoch. Schließlich sind sie die Sexualorgane der Pflanzen. Ihre unreifen Blüten enthalten ebenso unreife Keimzellen, und da wären UV-bedingte Mutationen ausgesprochen ungünstig. Kirsch-, Apfel- oder Magnolienblüten müssen zudem zwar nur kurz halten, sollten sich aber den bestäubenden Insekten in diesen wenigen Tagen möglichst makellos präsentieren, um sie für die Befruchtung einzuspannen. Auch dafür gilt es Sonnenbrand zu vermeiden. Sobald die Blüten sich entfaltet haben, werden die nunmehr arbeitslosen Anthocyane allmählich abgebaut.

Das steckt also hinter der Rosafärbung vieler Knospen und Außenseiten weißer Blüten. Und wieder einmal gilt: So etwas zu wissen oder sich darüber Gedanken zu machen, mindert den Zauber der Kirschblüte nicht im Geringsten.